Freiwillige Feuerwehr Garstedt

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Im Jahre 1912 zählte Garstedt ca. 420 Einwohner in 78 Häusern. Dieses veranlasste verantwortungsbewusste Bürger eine Feuerwehr zu gründen.

                                       Garstedt  15.  September  1913

In den Winsener Nachrichten steht folgender Bericht:

„Eine freiwillige Feuerwehr wurde hier errichtet, welcher 52 Mann beitraten. Es wurden folgende Herren  als Führer erwählt.

                    Höfner,  Hermann Dittmer  Hauptmann

                    Hofbesitzer,  August Westermann  Vize-Hauptmann

                    Hofbesitzer,  Fritz  Behr  und  Karl  Kröger  Zugführer

                    Hofbesitzer,  Otto  Meyer  Schriftführer

          Die alte Spritze, welche in letzter Zeit erst gut repariert ist, wirt vorläufig beibehalten.

          Von Seiten der Einwohner Garstedt’s kann die Einrichtung der freiwilligen Feuerwehr

          nur mit Freude begrüßt werden.“

Diese „neue, junge“ Wehr hätte beinahe ein paar Tage nach ihrer Gründung ihre erste „Feuertaufe“ bestehen müssen, denn am 22 September ereignete sich folgendes, wie die WN berichten: 

Garstedt,  22 September.  Ein kurzes Gewitter hat in der Sonntag-Montag Nacht um 3 Uhr früh die hiesigen Einwohner aus dem Schlaf gerüttelt.  Es fiel um diese Zeit ein leichter Landregen, und ab und zu hörte man in der Ferne leichten Donner.  Da fiel plötzlich ein greller Blitz, begleitet von einem gewaltigen Donnerschlag.  Der Blitz fuhr beim Hermann Gräper’schen Hause in den Telefonmast, und in allen, an die Leitung angeschlossenen Häusern flammte es nun derartig auf, dass man glaubte, es brenne dort. Nicht besser war es in den Häusern mit Elektrischer Lichtleitung.  Überall sind die Leitungsdrähte geschmolzen und in vielen Häusern sind die Fensterscheiben, Deckenschalung, Bilder usw. zerstört. Als ein Glück ist es anzusehen, dass der Blitz durch die Telefondrähte von den Gebäuden abgeleitet worden ist, sonst hätte es zweifellos ein schweres Brandunglück gegeben.

Kurz nach der Gründung wurde mit dem Bau des Spritzenhauses begonnen und eine neue Handdruckspritze gekauft.  Diese tat ihren Dienst bis ins Jahr 1936.

Auf der Korpsversammlung von 1928 wurde Hauptmann Hermann Dittmer nach 14 jähriger Dienstzeit durch Fritz Behr abgelöst, dessen Stellvertreter wurde Adolf Schmidt.  Im Januar 1933 feierte man ganz groß – Ball, Preisskat und Preisknobeln.  Inwieweit das mit der sog. Machtübernahme zusammenhing, steht nirgendwo geschrieben.

Erst 1937 motorisierte sich die Wehr.  Die neu gekaufte TS, d.h. (Tragkraftspritze) betreute seinerzeit Obermaschinist Arnold Schulz.  Fünf Tage später erwarb die Feuerwehr das erste Feuerwehrfahrzeug.

Wird die Feuerwehr gerufen, sind in fast allen Fällen Haus und Hof, Tier und Menschen in großer Gefahr und oft in tiefer persönlicher Not.  Denken wir doch alle betroffen an das große Busunglück  1939  zurück, bei dem auch die freiwillige Feuerwehr Garstedt ihren Nächsten  Hilfe leistete und zur Seite stand.  Vier Jahre später, 1943, tat man in Hamburg Dienst, als dieses nach Bombenangriffen in Flammen stand.

Nach 26-jähriger Dienstzeit gab Fritz Behr das Amt des Gemeindebrandmeisters  1955  an Johann Lohmann ab, dessen Stellvertreter wurde Ewald Kuveke.

Diese Beiden haben sich zusammen  mit ihren Kameraden „mächtig ins Zeug  gelegt“ und im Trend des allgemeinen Aufschwunges  1955  mit dem Bau eines neuen Feuerwehrhauses begonnen, ebenfalls 

1955  das erste  LF-8 (Löschgruppenfahrzeug) gekauft.

1957  wurde eine neue  TS-8-Bachert angeschafft.  Diese Tragkraftspritze ist heute zwar nicht mehr im Dienst, aber immer noch betriebsbereit !

1959  übernahm Ewald Kuveke das Kommando und wurde Gemeindebrandmeister, Stellvertreter wurde  Helmut Cordes  und Schriftführer  Günter Meyer-Lüllau,  der dieses Amt in vorbildlicher Weise  28  Jahre inne hatte.  Auch mit dem Lebenselixier der Feuerwehr, dem Wasser, hatte man häufig so seine liebe Not.  1962  leisteten die Garstedter bei der großen Flutkatastrophe in und um Hamburg wertvolle Dienste. 1972  musste man in langer, mühevoller Kleinarbeit den  Wasserausgleichsbehälter des Wasserwerkes auf dem Höllenberg  mit 600 000 l  Wasser füllen. 1987  hatten wir Bereitschaftsdienst an der Elbe, nach Eisversetzung bestand Hochwassergefahr.

1963,  1966  und  1970  hatte die Feuerwehr wiederum schwere Brände von Scheunen, Viehställen und Häusern, in Garstedt bei  Helmut Cordes,  in Wulfsen und in Tangendorf  zu bekämpfen.

Die Ausrüstung musste verbessert werden, so wurde  1971  eine voll ausgerüstete Atemschutzgruppe gebildet und  1972,  noch schnell vor der Gebietsreform, ein neues  LF-8-S  gekauft.  Dieses Fahrzeug war zu groß für das alte Gerätehaus, ein Grund mit,  1974  unser jetziges Gerätehaus zu bauen.

Nach dem Tod von  Ewald Kuveke  1975,  wurde  Gerhard Bockelmann  Ortsbrandmeister in Garstedt, er hatte auch das Amt des stellvertretenden  Gemeindebrandmeisters  der Samtgemeinde inne.  Stellvertreter in Garstedt war Karl Hillmer.

Die Ausrüstung wurde jetzt kontinuierlich verbessert.  1982  wurde eine neue  TS-8- Rosenbauer und  1985  ein altes, gebrauchtes  TLF-8,  (Tanklöschfahrzeug) vom Zivilen Bevölkerungsschutz gekauft.  1986  wurde eine hydraulische Schere mit Handpumpe, zur Rettung von Personen bei PKW Unfällen angeschafft,  1990  wurde der Rettungssatz durch einen Spreizer und einer elektrischen Pumpe ergänzt.  Am 6 März 1992 bekam unsere Wehr ein neues TLF-8  mit einem deutlich größeren Tank (2500 l, bisher 800 l ) von der Samtgemeinde. Das alte TLF wurde nach Boberow in Brandenburg verschenkt.  Die Übergabe wurde gebührend gefeiert !

1990  löste  Manfred Cordes  Karl Hillmer  als stellvertretender Ortsbrandmeister  und  1993  Peter-Hermann Backhaus  Gerhard Bockelmann als Ortsbrandmeister ab.  Gerhard Bockelmann  wurde für seine verdienstvolle Tätigkeit für die Garstedter Wehr zum  Ehrenortsbrandmeister ernannt.

Am  3 Februar  1997  übernahm die FF Garstedt dann als drittes Fahrzeug, den Einsatzleitwagen von der Samtgemeinde.

Über Mangel an Einsätzen braucht sich die Feuerwehr nicht zu beklagen, hier einige größere der letzten zehn Jahre:

1992  Großfeuer beim Kunststoffwerk  Draak. 

1994  Firma  Salmatec  in Salzhausen.

1999  Großbrand, Schweinestall in Schnede.

Feb. 2000 u. Dez. 2000  jeweils Kunststoffwerk Garstedt.

Nov. 2000  Feuer am Krankenhaus Salzhausen.

Juni  2001  Feuer, Scheune in Tangendorf.

Okt. 2001  der Schwalbenhof  (Guntrum)  brennt.

Stark zugenommen hat die nicht immer leichte Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen.

Nicht zuletzt versucht die Feuerwehr auch ein Kulturträger im Ort zu sein, durch Veranstaltungen verschiedener Art, das Näherkommen der Bürger zu fördern.

Gott zur Ehr‘, dem nächsten zur Wehr

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